Betreutes Wohnen in Familien

Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht mehr allein leben können, bleibt oft als einzige Möglichkeit das Leben im Heim. Dies entspricht jedoch nicht immer den Vorstellungen und Wünschen der Betroffenen. Normale Lebensbezüge und konstante Beziehungen in einem privaten Umfeld gehören für viele Menschen zu einem gelungenen Lebensentwurf.

Diese Möglichkeit bietet das Betreute Wohnen in Familien: Psychisch erkrankte Menschen finden ein neues Zuhause in einer Gastfamilie. Die Vermittlung erfolgt durch die woge. Familie und Bewohner werden in allen Belangen des Zusammenlebens von den Fachkräften kontinuierlich unterstützt und begleitet.

Für die Versorgung und Betreuung erhält die Gastfamilie ein monatliches Entgelt. Darin enthalten sind die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die Betreuung innerhalb der Familie.

Wer kann in eine Gastfamilie aufgenommen werden?

Das Betreute Wohnen in Familien richtet sich an psychisch erkrankte Menschen

  • bei denen die bisherigen ambulanten Betreuungsangebote nicht ausreichen
  • die sich diese Lebensform als Alternative zum Heim vorstellen können
  • die mit einer selbständigen Lebensführung überfordert sind, oder beim Übergang in eine selbständigere Lebensform vorübergehend intensive Unterstützung benötigen

Wer kann Gastgeber für das Betreute Wohnen in Familien sein?

Als Gastgeber kommen neben Familien und Paaren auch Alleinerziehende und Einzelpersonen in Frage, ebenso Geschwister und andere Verwandte 2. Grades. Eine Ausbildung oder fachliche Kenntnisse sind nicht erforderlich.

Voraussetzungen sind

  • die Bereitschaft, den psychisch erkrankten Menschen am Leben in der Familie teilnehmen zu lassen
  • eine grundsätzlich tolerante Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung
  • die Bereitstellung eines möblierten Zimmers, einer kleinen Einliegerwohnung o.ä.

Was bietet das Betreute Wohnen in Familien?

Für die Bewohner

  • die Chance, außerhalb einer stationären Einrichtung Erfahrungen zu machen und neue Perspektiven zu entwickeln
  • die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben innerhalb eines geschützten und familiären Rahmens zu führen und persönliche Bedürfnisse entfalten zu können
  • alltagspraktische Fähigkeiten und soziale Kompetenzen neu zu erlernen

Für die Gastfamilien

  • ein neues Aufgabenfeld
  • eine Zuverdienstmöglichkeit
  • Teilhabe am Leben von Menschen mit sehr verschiedenem Erfahrungshintergrund

Worin besteht die fachliche Begleitung?

Die Mitarbeiter der woge begleiten sowohl die Gastfamilien als auch die Bewohner durch

  • regelmäßige Hausbesuche
  • individuelle Beratung
  • Unterstützung in Krisensituationen
  • Kontakte zu Ärzten, Tagesstätten, Ämtern
  • Übernahme von organisatorischen Aufgaben
  • Kostenklärung

Häufige Fragen von Familien zum Betreuen Wohnen in Familien:

Was sind das für Menschen, die in eine Gastfamilie vermittelt werden?
Wir vermitteln Menschen mit einer psychischen Erkrankung bzw. Behinderung. Die akute Erkrankung steht nicht mehr im Vordergrund. Im Wesentlichen geht es dabei um die Versorgung und Unterstützung bei der Alltagsbewältigung. Regelmäßige Facharzttermine und Medikamenteneinnahme gewährleisten die Stabilität des Bewohners. In den Vorstellungsgesprächen und während der Betreuung informieren wir Sie genau über den Unterstützungsbedarf.

Welches Alter haben die Bewohner?
Wir vermitteln volljährige Bewohner jeden Alters. In der Regel sind die Bewohner jedoch in der zweiten Lebenshälfte.

Welche Bewohner werden nicht vermittelt?
Wir vermitteln keine gewaltbereiten und akut suchtkranken Menschen in Gastfamilien.

Welche Aufgaben werden im Rahmen des Betreuten Wohnens von der Gastfamilie übernommen?
Die Menschen, die zu Ihnen kommen, können sich in der Regel nicht allein versorgen und/oder benötigen Unterstützung in Bereichen des täglichen Lebens. Als Gastfamilie sind Sie für die Grundversorgung des Bewohners zuständig. Das bedeutet jedoch nicht, grundsätzlich alles für ihn zu übernehmen. Es ist weiterhin wichtig, dass die Bewohner so weit als möglich selbständig bleiben und vorhandene Fähigkeiten behalten bzw. Schritt für Schritt alltagspraktische und soziale Fähigkeiten (wieder) erlernen. Vor der Aufnahme eines Bewohners klären wir gemeinsam, wie Sie sich den Alltag vorstellen und welche Unterstützung Sie anbieten können und wollen. Die meisten Gastfamilien sorgen für regelmäßige Mahlzeiten und für das Waschen der Wäsche. Manche Bewohner müssen auch an die Körperhygiene erinnert werden. Andere müssen dabei auch zum Teil unterstützt werden.

Kann ich auch Gastfamilie werden, wenn ich keine Erfahrung mit psychisch kranken Menschen habe?
Sie benötigen keine besonderen Kenntnisse für die Aufnahme eines Bewohners. Wichtiger ist jedoch eine grundsätzlich tolerante Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderung und die Bereitschaft, diese Person am Leben in der Familie teilnehmen zu lassen.

Können auch Berufstätige einen Bewohner aufnehmen und muss man immer zu Hause sein?
Eine Berufstätigkeit der Betreuungsperson ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Es wird im Einzelfall geklärt, wie viel Präsenz erforderlich ist. Die Bewohner benötigen jedoch keine Anwesenheit rund um die Uhr.

Wie lerne ich die Bewohner kennen und gibt es die Möglichkeit, das Zusammenleben auszuprobieren?
Wenn wir Ihnen einen Bewohner vorstellen wollen, findet bei Ihnen zu Hause ein erstes und unverbindliches Kennenlernen statt. Danach wird geklärt, ob Sie und der Bewohner ein Zusammenleben grundsätzlich vorstellen können. Wenn ja, wird ein vierwöchiges Probewohnen in der Gastfamilie vereinbart. In dieser Zeit können Sie das tägliche Zusammenleben und den gemeinsamen Alltag ausprobieren. Erst nach Abschluss der Probewohnzeit entscheiden alle Beteiligten über die konkrete Aufnahme in die Gastfamilie.

Was machen die Bewohner tagsüber?
Bezüglich der Tagesgestaltung wird gemeinsam mit dem Bewohner geklärt, was er tagsüber tun kann. Das kann zum Beispiel eine Tätigkeit in einer Werkstatt für psychisch Kranke oder der Besuch einer Tagestätte sein. Bei Bewohnern, die vorwiegend im Haus bleiben, besprechen wir, welche Beschäftigungsmöglichkeiten Sie ihnen zu Hause anbieten können (Haushalt, Garten, etc.).

Kann ich auch mal mit meiner Familie etwas allein machen?
Sowohl die Gastfamilie, als auch der Bewohner sollen eine Privatsphäre und Freiräume zur individuellen Entfaltung ermöglicht werden. Wie sich das Zusammenleben ausgestaltet, wird gemeinsam besprochen.

Habe ich auch Urlaub als Gastfamilie?
Sie haben das Anspruch auf 28 Tage Zeit ohne Betreuung, egal, ob Sie wegfahren wollen oder zu Hause bleiben: Wir sorgen für eine Urlaubsunterbringung Ihres Bewohners. Ihre Aufwandsentschädigung wird mit Ausnahme der Verpflegungskosten weitergezahlt.

Wie lange bleiben die Bewohner bei mir?
Das ist sehr unterschiedlich. Ältere Bewohner suchen einen langfristigen Platz zum Leben, während andere Bewohner vorübergehend einen beschützten Rahmen benötigen, um sich zu stabilisieren und ihr Leben wieder selbständig führen zu können.

Kann ich das Betreuungsverhältnis wieder beenden?
Sie können das Betreuungsverhältnis jederzeit kündigen. Es gibt eine Kündigungsfrist von 14 Tagen. Wir kümmern uns darum, dass der Bewohner in eine andere Gastfamilie wechseln kann.